Katowice

Die Hauptstadt der Woiwodschaft Śląskie (Schlesien) bildet zugleich das Zentrum des Oberschlesischen Industriegebiets. In Katowice (Kattowitz) leben rund 320.000 Menschen, im gesamten Ballungsgebiet sind es etwa 3,5 Millionen.

Grundinformation
Oberfläch
164,64 km²
Bevölkerung
282 755 (2022)

Katowice ist eine junge Stadt. Das ehemalige Dorf entwickelte sich erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts rasant zur Großstadt. In der Zwischenkriegszeit kam Katowice zu Polen und wurde Hauptstadt der autonomen Woiwodschaft Schlesien.

In der Folge entstanden zahlreiche repräsentative Bauten wie der Sitz des Schlesischen Parlaments oder das Schlesische Museum. Die Katedra Chrystusa Króla (Christkönigskathedrale), ab 1932 im neoklassizistischen Stil errichtet, zählt zu den größten Kirchen des Landes. Viele moderne Wohngebäude im funktionalistischen Stil entstanden in dieser Zeit, darunter 1934 der sogenannte Wolkenkratzer an der ul. Żwirki i Wigury 15. Mit einer Höhe von 62 Metern blieb es bis zum Jahr 1955 das höchste Gebäude Polens.

In der Ära des aus der Woiwodschaft stammenden Regierungsschefs Edward Gierek wurde Katowice ab Anfang der 1970er Jahre zum Aushängeschild des modernen Polen. Zahlreiche neue Magistralen und moderne Hochhäuser entstanden in dieser Phase. Die ebenfalls in dieser Zeit erbaute Woiwodschaftshalle am Plac Rondo fasst rund 11.000 Besucher. Wegen ihrer ungewöhnlichen Form wird sie im Volksmund Spodek (Fliegende Untertasse) genannt. Gegenüber erhebt sich das gewaltige Pomnik Powstańców Śląskich (Denkmal der schlesischen Aufständischen), das an die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und polnischen Schlesiern in den Jahren 1919-1921 erinnert.

Im Zentrum rund um den neuen Hauptbahnhof gibt es zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser im Jugendstil. Kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants reihen sich hier aneinander. Als eines der schönsten und exklusivsten Hotels der Woiwodschaft gilt das Hotel Monopol in der ul. Dworcowa 5. Das Hotel war ursprünglich Anfang des 20. Jh. entstanden und galt schon in den 1920er Jahren als eines der vornehmsten in ganz Polen. Bei der Sanierung wurden die gründerzeitlichen Elemente des Baus mit modernen Details kombiniert. (www.monopolkatowice.hotel.com.pl)

Unweit vom Rynek (Marktplatz) befindet sich das Gebäude des 1907 im modernistischen Stil erbauten Stadttheaters, des Teatr Stanisława Wyspańskiego. Nur wenige Schritte sind es von dort zum Muzeum Śląskie (Schlesisches Museum). Es hat seinen Sitz in einem im Stil der Neorenaissance entstandenen schlossähnlichen Gebäude und verfügt über eine bedeutende Sammlung schlesischer und polnischer Malerei von 1800-1939. Zu sehen sind beispielsweise Werke des Jugendstil-Malers Stanisław Wyspiański und des bekanntesten polnischen Expressionisten, Stanisław Ignacy Witkiewicz. (www.muzeumslaskie.pl)

Südöstlich des Zentrums von Katowice gibt es zwei bedeutende Arbeitersiedlungen. Nikiszowiec (Nikischschacht) entstand für die Kumpel des Bergwerks Giesche zwischen 1908 und 1924. Projektiert wurde die Siedlung von den Berliner Architekten Georg und Emil Zillmann. Geschlossene Häuserreihen, aus Ziegelsteinen erbaut und mit großen Innenhöfen, sind das Charakteristische dieser Arbeitersiedlung. In einem ähnlichen Stil wie die Wohnsiedlungen wurde die neobarocke Kirche der Heiligen Anna am zentralen Pl. Wyzwolenia errichtet. An dem dreieckigen Platz liegen auch die meisten Läden sowie ein Restaurant. Im Haus Nr. 4, der ehemaligen Wäscherei, befindet sich ein kleines Museum zur Geschichte des Viertels. Die Museumskammer bietet einen Blick in eine typische Bergmannswohnung der 1920er Jahre. Im ehemaligen Gebäude des Schachts Wilson entstand 2001 die Galerie für junge Kunst „Szyb Wilson“ mit 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche. (www.szybwilson.org)

Das benachbarte Giszowiec (Gieschewald) entstand 1906-1910 ebenfalls nach Entwürfen der Architekten-Brüder Zillmann im Stil einer Gartenstadt. Für 600 Familien wurden dort Häuser nach 42 verschiedenen Mustern erbaut. Es wurden auch Wohnhäuser für Alleinstehende mit einer eigenen Kantine errichtet. Für die Gestaltung der Gärten galten strenge Regeln, um den einheitlichen Charakter der Siedlung zu gewährleisten. Die wichtigsten Versorgungseinrichtungen gruppierten sich um einen zentralen Platz. Ein Teil der Gartenstadt wurde in den 1970er Jahren abgetragen, um Platz für eine neue Hochhaussiedlung zu schaffen. Nahe des einst zentralen Platzes Pod Lipami befindet sich die Karczma Śląska, das Schlesische Wirtshaus, der gesellschaftliche Mittelpunkt des Viertels mit Restaurant, Kneipe und Ballsaal.

An Katowice schließt sich die 120.000 Einwohner zählende Stadt Chorzów (Königshütte), an. Zwischen beiden erstreckt sich der Silesia Park, der Schlesische Park. (www.parkslaski.pl) Zu ihm gehört der Zoologische Garten mit rund 3.000 Tieren sowie der Górnośląski Park Etnograficzny (Oberschlesischen Freilichtmuseum). Dort werden Beispiele für die Holzarchitektur Oberschlesiens gezeigt, darunter alte Wohnhäuser, Sakralbauten, Gebäude der Dorfhandwerker, ein Wirtshaus und Kornspeicher.

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