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Eine Fahrt nach Katowice, der Hauptstadt von Oberschlesien, bringt man eher mit einer Dienstreise als einem Ausflug in Zusammenhang. Der recht einheitliche industrielle Charakter der Stadt suggeriert, dass sie nur für Liebhaber alter Industriearchitektur interessant sein kann. Dabei beginnt gerade in Katowice die Mehrzahl der touristischen Reisen in die Regionen. Es lohnt auch, Katowice selbst zu erschließen.

Schon beim ersten Spaziergang durch die Stadt fällt die große Halle auf. Man bekommt den Eindruck, als hätte sich hier in die Erde eine große fliegende Untertasse eingegraben. Diesen Namen trägt auch das Werk der Architekten Maciej Gintowt und Maciej Krasiński. Die 300 t wiegende Stahlkonstruktion der Kuppel ist mit dem äußeren Stahlring mit Hilfe von 120 Tragseilen verbunden. Das 1971 eröffnete Schau- und Sportzentrum ist eines der bestbesuchten Objekte dieser Art in Polen. Tausende begeisterte Gäste sahen hier Wettkämpfe und lauschten berühmten Künstlern. Hier traten unter anderem auf: Elton John, Eric Clapton, Sting oder Tina Turner. An berühmten Gruppen präsentierten sich hier U2, Metallica, Iron Maiden oder Boney M. In dem Komplex gibt es unter anderem eine künstliche Eisfläche, einen Gymnastiksaal, ein Kino und ebenso Hotel. Das Denkmal vor der Halle ist den Schlesiern gewidmet, die sich bei den drei Aufständen (1919, 1920 und 1921) mit der Waffe in der Hand für die Zugehörigkeit der Region zu Polen ausgesprochen hatten.

Eine völlig andere Architektur ist die des Stadtteiles Nikiszowiec. Hier kann man am besten sehen, wie die typischen Arbeitersiedlungen aus dem 19. und dem Anfang des 20. Jahrhundert aussehen. Der Komplex Nikiszowiec (der Name stammt vom unweit gelegenem Schacht Nikisz) ist das authentische Fragment der Agglomeration. Der Stadtteil wurde in den Jahren 1908-1918 nach Plänen von Georg und Emil Zimmermann aus Berlin erbaut. Die Siedlung für 7000 Einwohner entstand westlich der neubarocken Kirche. Es ist zu neun Teilen als dreistöckige Blöcke aus rotem Stein in Form rechteckiger oder trapezförmiger geometrischer Figuren aufgeteilt. Dort, wo heute hohe Bäume wachsen, befanden sich einst Gemüsegärten und Wirtschaftszellen, in denen viele Familien Tiere hielten. Diese Häuser nannte man in der schlesischen Sprache aus dem Deutschen „Familoki“. Da hier seit 100 Jahren Menschen leben, die beruflich und emotional mit Schlesien verbunden sind, breitet sich auch heute noch der aromatische Duft von „Krupniok, Żymliok oder Wusztzupe“ aus.

In Piotrowice, einem anderen Stadtteil von Katowice, befindet sich an der Traktorzystów-Str. 5 das ungewöhnliche Zygmunt-Szkocny-Museum der Kleinsten Bücher der Welt. Die Ausstellung in dem Haus, in dem der Gründer wohnte, ist nicht groß, wenn man die Ausmaße der Exponate zugrunde legt. Hier sind 87 von 165 Miniaturwerke des in der nahen Czeladź geborenen Buchbinders ausgestellt. Bücher von Zygmunt Szkocny besitzen unter anderem die Königin von Holland Beatrix, Michail Gorbatschow, der Präsident Ronald Reagen und die polnische Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Eines der Bücher bekam einst Johannes Paulus II. Hier befindet sich selbstredend das kleinste Buch der Welt, also das schmuck gebundene lateinische Alphabet mit den Abmessungen von 0,8 x 1 mm. Hier befindet sich auch ein silbernes Schachspiel, dessen silbernen Figuren so klein sind, dass sie nur mit einer Pinzette bewegt werden.

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Fotos: Stadtamt Katowice

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