31. Juli – 19. August 1829 - unternimmt Chopin einen kurzen Besuch in Wien, wo ihn Wilhelm Würfel, bei dem er drei Jahre studiert hat, in die Musikwelt einführt und ihm ermöglicht, im Kärntnertortheater aufzutreten. Chopin spielt dort die Variationen op. 2 über ein Thema aus 'Don Giovanni', das Rondo á la Krakowiak op. 14 und improvisiert über einige Themen. Das Konzert wird ein großer Erfolg und Chopin gilt als kommender Klavier- und Kompositionsstar. Nach dem Konzert macht ihm der Wiener Musikverleger Tobias Haslinger das Angebot, die Variationen über das Thema aus "Don Giovanni" zu veröffentlichen - der erste Auslandsvertrag als Komponist
1830/1831 Am 2. November 1830 verlässt er Warschau in Richtung Österreich um über Wien nach Italien zu reisen. Sieben Tage später trifft er in Wien ein, hört dort vom Ausbruch des polnischen Novemberaufstands (am 29. November). Seine Familie und seine Freunde raten ihm von einer Rückkehr in die Heimat ab, er selbst schreibt: „ich verfluche den Augenblick meiner Abreise“. Später hat sich herausgestellt, dass es ein Abschied für immer war.
Am 11. Juni 1831 spielt Chopin im Kärntnertortheater sein Klavierkonzert in e-Moll. In den letzten acht Monaten hat er in Wien einen eigenen Stil gefunden, der seine Virtuosität in die Kompositionen einbezieht: z.B. das Scherzo in h-Moll und die Etüden op. 10.
In der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek wird eine bis 1949 unbekannt gebliebene Fassung der 4. Variation der op. 2 Chopins aufbewahrt. Der Verleger Tobias Haslinger hatte das Manuskript der damaligen Hofbibliothek übergeben.
Die Österreichisch-Polnische Gesellschaft hat zur Erinnerung an den Wiener Aufenthalt Frederic Chopins eine Gedenktafel gestiftet, die an dem Hause 1, Kohlmarkt 9, angebracht wurde, an der Stelle, wo sich das Haus befand, indem Chopin 1830 wohnte. Die Gedenktafel, die ein Reliefporträt des Meisters ziert, wurde am 17. November 1950 enthüllt. Sie wurde in die Obhut der Stadt Wien übernommen.
Chopin an Jan Matuszynski
Wien, Weihnachten 1830, Sonntag früh
„….Nachdem ich mich von Slawik (dem berühmten Geiger) verabschiedet hatte, ging ich um Mitternacht allein, langsamen Schrittes zur Stephanskirche. Als ich eintrat, war es noch leer. Nicht der Andacht wegen, sondern um mir diesen gewaltigen Raum um diese Zeit anzusehen, blieb ich in der dunkelsten Ecke, am Fuße eines gotischen Pfeilers, stehen. Unbeschreiblich ist die Erhabenheit dieser gewaltigen Wölbungen. Es herrschte Stille, nur das Schreiten des die Lampen anzündenden Küsters, störte meine Lethargie…Hinter Gräber, unter mir Gräber, nur – über mir kein Grab…Eine düstere Harmonie erklang in meinem Innern – ich fühlte mehr denn je mein Verwaistsein und sog mich in diesen erhabenen Anblick, bis Licht und Menschen sich zu häufen begannen. Da zog ich meinen Mantelkragen empor, wie ich es oft – Du erinnerst Dich? – auf der Krakauer Vorstadt zu tun pflegte, und begab mich in die kaiserliche Kapelle zu der Musikaufführung. Auf dem Wege dahin war ich nicht mehr allein, denn eine ganze Menge fröhlicher Menschen eilten gleich mir durch die schönsten Strassen Wiens der Burg zu….“

Polnisches
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