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Die Metropole Wrocław (Breslau) zählt rund 640.000 Einwohner und ist die viertgrößte Stadt Polens. Die Hauptstadt der Woiwodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien) wurde unlängst zur Kulturstadt des Jahres 2016 gekürt. Doch schon heute zählt Breslau zu den bedeutendsten Kulturzentren des Landes.

„Die Blume Europas“ nannte man Breslau einst. Das heutige Wrocław blüht schöner als je zuvor. Mehr als 1.000 Jahre alt ist die Stadt an der Oder und dennoch jung und vital geblieben. Mehr als 100.000 Studenten prägen das Stadtbild, entsprechend groß ist das Freizeitangebot. Allein rund um den historischen Marktplatz zählt man einige Hundert Kneipen, Klubs und Restaurants.

Der 215 mal 175 m große Rynek ist der zweitgrößte Marktplatz in Polen und einer der schönsten dazu. Seinen Mittelpunkt bildet das gotische Rathaus, das zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauten in Europa zählt. Mit dem Bau wurde Ende des 13. Jahrhunderts begonnen, rund 250 Jahre später hatte es seine bis heute erhaltene Form gefunden. Die repräsentativen Räume werden für Kunstausstellungen genutzt, doch der Keller mit seinen labyrinthartigen Räumen erfüllt noch die gleiche Funktion wie vor 700 Jahren: als größte Schankstube der Stadt. „Wer nicht im Schweidnitzer Keller war, war nicht in Breslau“, pflegte man früher zu sagen, und viele berühmte Gäste wie Goethe und Chopin ließen sich davon leiten. Den Marktplatz säumen prachtvolle Bürgerhäuser im Stil des Barocks, der Renaissance und auch des Jugendstils.

Während in den fein herausgeputzten Gassen der Altstadt zwischen dem Marktplatz und der barocken Universität das Leben tobt, ist die nahe gelegene Dominsel eine Oase der Ruhe und Einkehr. Vor 1.000 Jahren begann hier die Besiedlung der Stadt, bis heute ist sie das religiöse Zentrum mit dem gotischen Dom und mehreren anderen historischen Kirchen. Ein wenig wirkt es, als habe man die Zeit angehalten, wenn zur Dämmerung ein Laternenanzünder dort noch seine Runde dreht. Mit dem Bau des Doms, der Katedra Św. Jana Chrzciciela (Kathedrale St. Johannes der Täufer), wurde 1241 begonnen. Bis vor Kurzem war er mit seinen charakteristischen Doppeltürmen das höchste Gebäude der Stadt.

Gleich neben der Dominsel starten kleine Gondelboote zu ihrer Tour. Die Oder und ihre Nebenflüsse prägen die Stadt, sie bilden insgesamt 12 Inseln und werden von mehr als 100 Brücken überquert. Viele Uferwege sind beliebte Strecken für Spaziergänger und Radfahrer. Zum hohen Erholungswert tragen auch zahlreiche Parks bei. Der größte, der Park Szczytnicki (Scheitniger Park), wurde im 19. Jahrhundert nach Plänen des berühmten Berliner Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné angelegt.

Am Rande des Parks liegt eines der zahlreichen Bauwerke, die Breslau zum Mekka der Klassischen Moderne machten. Die Hala Stulecia (Jahrhunderthalle) wurde 1913 von Max Berg mit der größten freitragenden Kuppel der damaligen Zeit gebaut. Sie hat einen Durchmesser von 130 Metern. Der funktionalistische Bau genießt seit 2006 den Status als Welterbe der UNESCO. Bis zu 10.000 Teilnehmer können dort Sportveranstaltungen, Rockkonzerte oder Megaaufführungen der Breslauer Oper erleben. (www.halastulecia.pl)

Einen Gang durch die mehr als 1.000-jährige wechselhafte Geschichte der Stadt kann man im ehemaligen Königspalast am Rande der Altstadt unternehmen. Der barocke Bau war zeitweilig die Residenz des Preußenkönigs Friedrich II. Heute beherbergt er das Muzeum Historyczne (Historische Museum). Es ist ein Teil der Städtischen Museen der Stadt. (www.muzeum.miejskie.wroclaw.pl)

Unweit davon liegt die ehemalige Synagoge zum Weißen Storch, ein klassizistisches Bauwerk nach Entwürfen des bekannten Architekten Carl Ferdinand Langhans. Als einzige Synagoge der Stadt überstand sie die sogenannte Reichskristallnacht. Das aufwändig sanierte Gebäude erinnert an die einst sehr bedeutende jüdische Gemeinde der Stadt. Das ehemalige jüdische Viertel rund um die Synagoge hat sich in ein beliebtes Ausgehviertel verwandelt.

Neben der Schönheit der Bauten begeistert auch das kulturelle Angebot viele Besucher aus dem In- und Ausland. Im Herbst erklingen beim traditionellen Festival Wratislavia Cantans die schönsten Oratorien, Kantaten und Symphonien. Seit 1964 wird im Frühjahr Jazz an der Oder gespielt. Viele Tausend Fans huldigen mit ihren Klampfen Jimi Hendrix beim alljährlichen „Thanks Jimi Festival“ auf dem Breslauer Marktplatz. Im Sommer lockt die Breslauer Oper mit großen Inszenierungen im Freien. Die übrigen Aufführungen finden in dem von Carl Ferdinand Langhans entworfenen klassizistischen Opernhaus statt. (www.opera.wroclaw.pl)

Gleich hinter dem Opernhaus erhebt sich der jüngste und modernste Musiktempel der Stadt, das Narodowe Forum Muzyki Wrocław (Nationales Musikforum Breslau). Der größte Konzertsaal dort fasst 1.800 Plätze. (www.nfm.wroclaw.pl)

Das wie ein riesiger Lampion wirkende neue Fußballstadion für 43.000 Besucher entstand im Stadtteil Maślice, (Masselwitz) nordwestlich vom Stadtzentrum. Dort fanden 2012 Spiele zur Fußball-Europameisterschaft EURO 2012 statt.

www.wroclaw.pl

 

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