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Die Wallfahrtsstätte Kalwaria Zebrzydowska liegt in der Woiwodschaft Małopolska (Kleinpolen) zwischen dem Berg Żar und den malerischen Hängen des Lanckorońska Góra. Heute gehört sie zu den beliebtesten Pilgerorten in Polen mit über einer Million Besuchern pro Jahr.

Etwa 40 Kilometer südwestlich von Kraków (Krakau) stiftete der Krakauer Woiwode Mikołaj Zebrzydowski 1601 eine Kapelle nach dem Vorbild der Jerusalemer Golgatha-Kapelle. 1604 begann auf seine Initiative der Bau des Klosters mit der Klosterkirche, die nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche entstehen sollte. Verantwortlich dafür waren der italienische Baumeister Giovanni Maria Bernadoni sowie der flämische Architekt und Goldschmied Paul Baumgarth. Der von Mikołaj Zebrzydowski begonnene Bau des Kalvarienbergs wurde von den nachfolgenden Generationen seiner Familie fortgesetzt. So entstand im Lauf der Jahrzehnte ein rund sieben Kilometer langer Weg mit 42 Kapellen in der hügeligen Landschaft, der den Leidensweg Christi nachstellt. Das lateinische Wort Calvaria bedeutet „Leiden“. Das gesamte Ensemble wurde 1999 als bisher einziger Kreuzweg in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Kalwaria Zebrzydowska sei eine Kulturlandschaft von großer Schönheit und geistiger Bedeutung, hieß es zur Begründung. „Ihr natürlicher Rahmen, in denen die symbolischen Kultstätten zur Passion Jesu Christi und zum Leben der Jungfrau Maria eingegliedert sind, ist nach dem 17. Jahrhundert fast unverändert geblieben.”

Die der Madonna von den Engeln gewidmete Basilika wurde im Laufe der Jahrzehnte erweitert und umgestaltet. Um 1720 entstanden ihre weithin sichtbaren Doppeltürme. Das Gotteshaus verfügt über eine prächtige Innenausstattung im Stil des Barocks und Rokokos. Sie zeichnet sich durch die charakteristischen Kreuzgänge und eine prachtvolle Polychromie, historische Chorgestühle und wertvolle Gemälde aus. Zur Anlage des Klosters gehören zwei Gärten aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Die ersten 18 Kapellen des Kalvarienbergs waren noch zu Lebzeiten von Mikołaj Zebrzydowski im Stil des Barocks und des frühen Rokokos entstanden. Zu den sehenswerten Stationen des Leidenswegs gehören der „Palast des Herodes“, das „Herz der Muttergottes“ und das „Rathaus von Pilatus“, die alle von Paul Baumgarth geschaffen wurden. Zebrzydowski versuchte, die Landschaft von Jerusalem auf das Beskiden-Vorgebirge zu übertragen. So wurde der Berg Żar für ihn zum Golgatha-Hügel und der Lanckorońska-Berg zum Ölberg.

Bis ins Jahr 1608 reicht die Tradition der Passionsspiele zurück, die hier von Laiendarstellern aufgeführt werden. Die Veranstaltung zählt jedes Jahr viele Tausend Besucher. Am Palmsonntag hält der Darsteller des Jesus auf seinem Esel Einzug im polnischen Jerusalem. Nach dem Abendmahl am Gründonnerstag wird zu Karfreitag die Kreuzigung dargestellt. Die zweite große Veranstaltung findet am 13. August statt. Dann wird Maria zu Grabe getragen. Zwei Tage später wird ihre Himmelfahrt mit einer Prozession gefeiert, die zu den 42 Kreuzwegkapellen führt.

Eng verbunden ist Kalwaria Zebrzydowska mit dem Leben und Wirken von Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II. Dessen Geburtshaus liegt nur etwa 15 Kilometer entfernt im Städtchen Wadowice. Schon als Kind hatte er mit seinem Vater mehrmals die Pilgerstätte besucht. In den Jahren 1979 und 2002 kehrte er als Papst dorthin zurück. Im Geburtshaus von Karol Wojtyła in Wadowice pflegt ein Museum das Andenken des polnischen Papstes. In direkter Nachbarschaft befindet sich seine Taufkirche. (www.it.wadowice.pl) Die Stadt Kalwaria Zebrzydowska zählt heute mit den umliegenden Dörfern rund 19.000 Einwohner. Wirtschaftlich wird sie seit dem 18. Jahrhundert durch zahlreiche kleine und mittlere Handwerksbetriebe geprägt. Vor allem das Tischlerei- und Schuhmacherhandwerk dominieren dort. Etwa 1.200 meist sehr kleine Betriebe werden diesen beiden Branchen zugerechnet. Jedes Jahr finden im Frühjahr und Sommer Möbelmessen statt, auf denen die Hersteller ihre Erzeugnisse präsentieren. (www.kalwaria-zebrzydowska.pl)

Von Kraków aus ist Kalwaria Zebrzydowska gut per PKW und Bahn zu erreichen. Außerdem werden regelmäßig Ausflugsfahrten dorthin organisiert. Vor Ort gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten in mehreren Hotels und Pensionen sowie auf agrotouristischen Bauernhöfen. Auf dem Gelände des Klosters werden Unterkünfte für die Besucher im Dom Pielgrzyma (Pilgerhaus) angeboten. Die Spanne reicht von gut ausgestatteten Appartements bis zu preiswerten Mehrbettzimmern. Auf dem Areal des Klosters gibt es ferner ein Restaurant und das Klostercafé. Dort sollte man nicht die gefüllten Cremetörtchen verpassen, für die sich schon Johannes Paul II. begeisterte. (www.kalwaria.eu)

Kalwaria Zebrzydowska ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die nahen Beskiden. In direkter Nachbarschaft liegt der kleine Ort Lanckorona, der im Zentrum rund um den Marktplatz über mehrere sehenswerte hölzerne Laubenhäuser verfügt. (www.lanckorona.pl)

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