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Die beiden im Fachwerkstil erbauten Friedenskirchen in Świdnica (Schweidnitz) und Jawor (Jauer) wirken von außen schlicht, überraschen aber durch eine üppige barocke Ausstattung im Inneren. Beide Gotteshäuser gehören seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die beiden in der Woiwodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien) gelegenen Kirchen waren in direkter Folge des Westfälischen Friedens von 1648 entstanden, mit dem der 30-jährige Krieg beendet wurde. Eine dritte Kirche dieser Art in Głogów (Glogau) existiert heute nicht mehr. Die UNESCO würdigte die beiden Kirchen mit der Ernennung zum Weltkulturerbe als „herausragende Zeugnisse eines außergewöhnlichen Aktes der Toleranz seitens der katholischen Habsburger Kaiser im protestantischen Schlesien.“ Zugleich wurden die baulichen und architektonischen Lösungen hervorgehoben, die in vergleichbarer Form niemals vorher oder nachher in der Holzarchitektur zu finden seien.

Der Habsburger Kaiser Ferdinand III. hatte den Protestanten in den drei niederschlesischen Fürstentümern Glogau, Jauer und Schweidnitz das Recht zugestanden, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. Er machte dafür allerdings strenge Auflagen. So durften nur Holz, Stroh und Lehm als Baumaterialien genutzt werden. Die Friedenskirchen mussten außerhalb des Stadtzentrums entstehen. Glockentürme durften erst nach der Altranstädter Konvention von 1707 errichtet werden.

Für den Bau der Kościół Pokoju (Friedenskirche) in Świdnica wurde am 23. August 1656 der Grundstein gelegt. Bereits zehn Monate später fand dort der erste Gottesdienst statt. Während das Bauwerk von außen schlicht wirkt, ist es im Inneren umso prunkvoller ausgestattet. Zwei- und dreigeschossige Emporen umgeben den gesamten Innenraum. Insgesamt 7.500 Menschen finden in dem Gotteshaus Platz. Die auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtete Kirche gilt damit als größter sakraler Fachwerkbau in Europa. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde die ursprünglich recht einfach gehaltene Kirche immer mehr ausgeschmückt. In dieser Zeit entstanden auch die wertvollen Deckenmalereien. Sie stammen von den einheimischen Künstlern Christoph Kalicki und Christian Süßenbach und zeigen unter anderem den Fall Babylons und das Jüngste Gericht. Der barocke Hochaltar von August Gottfried Hoffmann wurde im Jahre 1752 eingeweiht. Er zeigt die Taufe Jesu’. Sechs Marmorsäulen tragen einen Baldachin. Über dem Hochaltar befindet sich die 1695 gefertigte kleine Orgel. Die 1666 bis 1669 von dem Brieger Meister Gottfried Klose gebaute große Barockorgel nimmt die gegenüberliegende Stirnseite ein. Die prachtvollste Loge entstand 1695 für die Familie von Hochberg, die Besitzer des nahe gelegenen Schlosses von Książ (Fürstenstein). Auf dem Friedhof vor der Kirche befindet sich ein Gemeinschaftsgrab für elf während der Märzrevolution von 1848 getötete Schweidnitzer Bürger.

Zum 350-jährigen Jubiläum der Kirche im Jahre 2006 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Unter anderem wurden die Außenfassade und die gesamte Dachkonstruktion erneuert. In der Kirche findet zweimal monatlich ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt. Ein kultureller Höhepunkt ist das Internationale Bachfestival, das jedes Jahr zwischen Juni und September in der Kirche veranstaltet wird. (www.bach.pl)

Die Friedenskirche in Jawor wurde bereits 1654 bis 1655 nach einem Entwurf des Breslauer Architekten Albrecht von Saebisch erbaut. Sie besteht aus einer Basilika mit zwei niedrigeren Seitenschiffen und fasst bis zu 6.000 Menschen. Damit die große Zahl von Gottesdienstbesuchern Platz fand, wurden insgesamt vier durchgehende Emporen gebaut. Zwei entstanden bereits beim Bau des Gotteshauses, zwei weitere wurden Anfang des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. Besonders sehenswert sind die an den Emporen angeordneten rund 150 Gemälde. Sie sind auf Holz oder Flachsleinen aufgetragenen und stellen vorwiegend Szenen aus dem alten und neuen Testament dar. Die Gemälde stammen von dem Schmiedeberger Maler Georg Flegel. Ein weiterer Blickfang ist die vollständig im schlesischen Volksstil ausgemalte Kassettendecke. Die Familie von Hochberg stiftete 1672 den barocken Hochaltar. Das zentrale Altargemälde wurde zum 200. Jahrestag der Kirche eingefügt und stellt „Jesus in Getsemane“ dar. Zu beiden Seiten des Altars befinden sich die prächtigen Logen der Familie von Schweinitz und der Grafen von Hochberg. Die Kirche erhielt 1856 eine neue Orgel aus der Werkstatt von Adolf Alexander Lummert aus Breslau.

Auch die Fassaden und das Dach des wertvollen Fachwerkbaus in Jawor wurden zu Beginn des neuen Jahrtausends saniert. Eine lange Tradition haben die Konzerte in der Friedenskirche, die in den Sommermonaten stattfinden. Das Programm reicht von Werken Bachs oder Chopins bis zu zeitgenössischer Musik und Jazzkonzerten. (www.konzertypokoju.pl)

Jawor und Świdnica liegen nur knapp 40 Kilometer voneinander entfernt. Beide Kleinstädte verfügen über zahlreiche weitere sehenswerte Baudenkmäler in den Stadtzentren.

(www.jawor.pl , www.swidnica.pl)

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