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Nicht nur durch ihre Ausmaße ist die 1913 fertiggestellte Hala Stulecia (Jahrhunderthalle) der bedeutendste Bau des frühen 20. Jahrhunderts in Wrocław (Breslau). Ihre Kuppel war mit 65 Metern Durchmesser damals das größte freitragende Bauwerk der Welt.

Das auch als Hala Ludowa (Volkshalle) bezeichnete Gebäude am Rande des Park Szczytnicki (Scheitniger Park) wurde im Jahre 2006 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. In der Begründung wurde das Bauwerk als „Pionierarbeit der modernen Technik und Architektur“ bezeichnet. Die Jahrhunderthalle sei ein „kreatives und innovatives Beispiel für die Entwicklung der Bautechnik in großen Stahlbetonkonstruktionen.“

Die Jahrhunderthalle war Teil eines großen Ausstellungsgeländes, das zum 100. Jahrestag der Befreiungskriege im Jahre 1913 in Betrieb genommen werden sollte. Max Berg, der damalige Breslauer Chefarchitekt, sah die Chance, damit seine Vision des Neuen Bauens zu verwirklichen. Er wollte Breslau in eine echte Metropole verwandeln. Seine 1911 vorgestellten Pläne stießen bei einem Teil des Stadtrats auf Widerspruch. Manche fürchteten, das gigantische Gebäude könne einfach in sich zusammenfallen. Doch keine zwei Jahre später wurde die Halle bereits eröffnet. Zur Eröffnung wurde Gerhart Hauptmanns „Festspiel in deutschen Reimen“ von Max Reinhardt inszeniert. 1920 wurde dort eine vielbeachtete Schau moderner Kunst gezeigt, 1929 bezog man das Gelände in die große Werkbund-Ausstellung „Wohnung und Werkraum“ ein, die modernes Bauen in der Oderstadt präsentierte.

Der berühmte Architekt Professor Hans Poelzig, damals Direktor der Breslauer Kunstgewerbeschule, hatte wesentlichen Anteil an dem gesamten Ensemble. Er entwarf den sogenannten viertürmigen Pavillon und die halbkreisförmige Pergola um den vor der Halle gelegenen Teich. Im Gegensatz zu den klaren Formen der Halle wirken seine Arbeiten noch der klassizistischen Tradition verhaftet. Aber auch er experimentierte mit neuen Materialien und schaffte mit dem Einsatz von Sichtbeton eine Brücke zur Neuzeit.

Einige Nebengebäude wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Halle selbst nahm nur wenig Schaden. Mit einer Ausstellung über die „wiedergewonnenen Westgebiete“ und dem Weltkongress der Intellektuellen für den Frieden wurde sie 1948 erneut in Betrieb genommen. Aus diesem Anlass wurde vor dem Eingang die Iglica, eine von drei schweren Schrauben gehaltene, 86 Meter hohe stählerne Nadel von Prof. Stanisław Hempel, errichtet. Seitdem bietet die Jahrhunderthalle die Kulisse für zahlreiche große Veranstaltungen. Mehr als 10.000 Menschen finden darin Platz. Die Halle wird für Messen, Ausstellungen und Tagungen genutzt. Aber auch große Sportveranstaltungen, Konzerte, Partys und Mega-Inszenierungen der Breslauer Oper finden darin statt.

Insgesamt 32 geschwungene Binder halten die 42 Meter hohe Kuppel. Durch die terrassenförmig angeordneten Fensterreihen fällt das Licht in die Halle. Deren gesamter Durchmesser beträgt 130 Meter. Die Akustik ist hervorragend. Rund um die Halle führt ein breiter Gang, von dem zahlreiche Eingänge abzweigen. Die Außenfassade aus rohem Beton weckt Assoziationen an frühe babylonische oder altägyptische Monumentalbauten, aber auch an das Pantheon oder die Hagia Sophia. Rund drei Jahrzehnte nach ihrer Eröffnung hatte Max Berg die Jahrhunderthalle in ihrer Bedeutung mit dem gotischen Rathaus von Breslau verglichen. Bis heute gilt der Bau als technische Meisterleistung. Er ist eines der ersten und bedeutendsten Beispiele der modernen Stahlbetonbauten des 20. Jahrhunderts. Mit seinen klaren Formen markiert er den Abschied vom Historismus und die Wende zum funktionalen Bauen. (www.halastulecia.pl)

Rechtzeitig vor dem 100-jährigen Jubiläum im Jahre 2013 wurde das gesamte Gebäude umfangreich saniert und modernisiert. Ende 2011 wurde das Ensemble um einen modernen Anbau, das Regionalne Centrum Turystyki Biznesowej (Regionales Zentrum für Geschäftstourismus), erweitert. Bis zu 3.000 Besucher finden in diesem Konferenzzentrum Platz, zu dem auch ein großes Restaurant gehört. Erneuert wurde bereits 2009 der von einer Pagode umgebene Teich. Dabei entstand die Wrocławska Fontanna (Breslauer Fontäne) als moderne Klang-Licht-Wasser-Installation. Bei den Wasserspielen tanzen die Fontänen aus 300 Düsen zum Klang der Musik. Die nächtlichen Vorführungen werden durch eine Lichtshow untermalt. (www.wroclawskafontanna.pl)

Die Jahrhunderthalle ist eines von mehreren bedeutenden Bauwerken, die Wrocław zu einem Mekka der Moderne machen. In direkter Nachbarschaft waren 1929 anlässlich der Werkbund-Ausstellung „Wohnung und Werkraum“ mehrere Wohngebäude im funktionalistischen Baustil erbaut worden. Dazu gehörte auch das Ledigenheim, ein Frühwerk des berühmten Architekten Hans Scharoun. Sein expressionistischer Baukörper erinnert an einen Schiffsrumpf. Das Gebäude wird heute als Seminarhotel genutzt. Zu den bedeutendsten Bauwerken dieser Zeit in der Innenstadt gehören die beiden Kaufhäuser von Erich Mendelsohn und Hermann Dernburg.

(www.wroclaw.pl)

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