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Das historische Zentrum von Kraków (Krakau) befand sich bereits auf der ersten Liste des Welterbes der Menschheit, die von der UNESCO 1978 veröffentlicht wurde. Es umfasst neben der Altstadt auch den Wawelberg mit Burg und Kathedrale sowie das ehemals jüdische Viertel Kazimierz.

Die Stadtanlage von Krakau sei „ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Architektur“, heißt in der Begründung für die Aufnahme in die Welterbeliste. Auf dem Wawelhügel schlägt seit 1.000 Jahren das Herz Polens. Mehr als 500 Jahre lang regierten die polnischen Könige von dort ihr Land. Die nach dem Einfall der Tataren im Jahr 1241 zerstörte Stadt Krakau wurde 1257 nach Magdeburger Stadtrecht neu gegründet und planmäßig wiederaufgebaut. Im Jahr 1364 wurde dort der Vorläufer der Jagiellonen-Universität gegründet, der zweitältesten Universität in Mitteleuropa. Der heutige Stadtteil Kazimierz war 1335 vom polnischen König Kazimierz III Wielki gegründet worden und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem der größten jüdischen Zentren Mitteleuropas.

Der am Weichselufer gelegene Wawelhügel war bereits seit der Altsteinzeit von Menschen bewohnt. Nachdem Krakau im Jahr 1000 vom polnischen Herrscher Bolesław Chrobry zum Bischofssitz ernannt worden war, entstand dort die erste Kathedrale. Von dieser sind heute nur noch die Fundamente erhalten. Die jetzige Kathedrale im gotischen Baustil wurde 1364 geweiht und im Laufe der Jahrhunderte um einige Kapellen erweitert. So entstand im frühen 16. Jahrhundert die Sigismundkapelle als Meisterwerk der Renaissance. Auch nach der Verlegung des Königssitzes nach Warszawa (Warschau) im Jahr 1596, wurden in der Wawelkathedrale die polnischen Könige gekrönt. In der Krypta fanden die meisten von ihnen ihre letzte Ruhestätte. Die Wawelburg diente seit dem Jahr 1038 als Sitz der polnischen Könige. Nach einem Brand Ende des 15. Jahrhunderts entstand das Wawelschloss im Stil der Renaissance als eines der prachtvollsten Königsschlösser in Europa. Heute kann man dort neben den königlichen Gemächern und den Repräsentationsräumen unter anderem den Kronschatz sowie wertvolle Sammlungen flämischer Wandteppiche und orientalischer Kunstwerke besichtigen. (www.wawel.krakow.pl)

Die Krakauer Altstadt wurde ab 1257 um den Rynek Główny, den mit 200 mal 200 Metern größten mittelalterlichen Marktplatz in Europa angelegt. Von dort zweigen elf Straßen ab. Die schachbrettartig angelegte Altstadt war früher von einer Stadtmauer umgeben. Heute kann man sie auf den Planty, einer Grünanlage mit Spazierwegen, umrunden. Den Mittelpunkt des Marktes bilden die Sukiennice (Tuchhallen). Sie erhielten ihre heutige Form im Stil der Renaissance im Jahre 1555. Die mittelalterlichen Krämerläden im Erdgeschoss werden bis heute von Händlern genutzt. Im Obergeschoss befindet sich die Galerie polnischer Malerei aus dem 19. Jahrhundert. Unter den Tuchhallen öffnete 2010 ein unterirdisches Museum. Dort kann man bis zu den ältesten Fundamenten der Stadt vorstoßen. Die zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert errichtete Marienkirche mit ihren zwei ungleichen Türmen ist ein Wahrzeichen der Stadt. Vom Nordturm erklingt zu jeder vollen Stunde das Krakauer Trompetensignal, der Hejnał. Im Inneren befindet sich der von dem Nürnberger Bildhauer Veit Stoss geschnitzte Hochaltar, der größte seiner Art in Europa. Das Universitätsviertel ist das älteste in ganz Polen. Zu den Studenten der Jagiellonen-Universität gehörten Nikolaus Kopernikus und der spätere Papst Johannes Paul II. Im Collegium Maius, dem ältesten Gebäude der Universität, entstand ein Museum zur Geschichte der traditionsreichen Bildungsstätte.

In der früher eigenständigen Stadt Kazimierz siedelten sich ab Ende des 15. Jahrhunderts viele Juden an, die nach Pogromen aus Krakau fliehen mussten. Das jüdische Viertel von Kazimierz war zeitweise durch eine Mauer vom christlichen Viertel der Stadt getrennt. Auch nachdem diese Teilung aufgehoben wurde und Juden sich wieder in Krakau ansiedeln durften, blieb Kazimierz ein wichtiges jüdisches Zentrum in Mitteleuropa. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten dort fast 70.000 Juden. Sie wurden von den Nationalsozialisten in ein Getto im Stadtteil Podgórze deportiert. Später fanden die meisten Bewohner in Auschwitz den Tod. Auch wenn heute nur wenige jüdische Bürger in Kazimierz wohnen, ist das Interesse an der jüdischen Kultur und Geschichte dort neu erwacht. Dazu beigetragen hat der Film „Schindlers Liste”, den Steven Spielberg zu großen Teilen in Kazimierz drehte. Bis heute sind sieben Synagogen in den Stadtvierteln erhalten. Die aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Synagoge dient als Museum für jüdische Geschichte. In der 1551 erbauten Remuh-Synagoge finden noch Gottesdienste statt, die aus dem Jahre 1860 stammende Tempel-Synagoge wird für festliche Veranstaltungen genutzt. Rund um die Szeroka-Straße im Zentrum des Stadtviertels entstanden Lokale, in denen zu Klezmer-Musik traditionelle jüdische Gerichte serviert werden. Jedes Jahr im Sommer findet dort das größte jüdische Kulturfestival Mitteleuropas statt.

www.krakow.travel

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