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Die Geschichte Polens

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Über tausend Jahre bewegter Geschichte prägen Polen, dessen Schicksal immer schon eng mit der Geschichte seiner Nachbarn verbunden war. Ob deutschsprachige Siedler im Mittelalter, die Union mit dem Großfürstentum Litauen, die polnischen Teilungen oder die Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg: All das hinterließ Spuren in Kultur und Tradition des Landes.

Die Entstehung des Staates

Die Wiege des polnischen Staates stand im heutigen Wielkopolska (Großpolen), dem Stammesgebiet der Polanen. Unter ihrem Herzog Mieszko I. kam es zur ersten Einigung der polnischen Stämme. Als offizielles Entstehungsdatum des polnischen Staates wird die Übernahme des lateinischen Christentums durch Mieszko I. im Jahr 966 angesehen. Sein Sohn Bolesław Chrobry (der Tapfere) krönte sich 1025 zum ersten König von Polen und machte das Land zu einem wichtigen Machtfaktor nordöstlich des römisch-deutschen Kaiserreiches. Aus dieser ältesten Zeit blieb bis heute die Kathedrale St. Peter und Paul in der großpolnischen Hauptstadt Poznań (Posen) erhalten. Auf Betreiben von Bolesław war bereits im Jahr 1000 durch Kaiser Otto III. das Erzbistum in Gniezno (Gnesen) mit den drei Bistümern Kołobrzeg (Kolberg), Kraków (Krakau) und Wrocław (Breslau) entstanden. Gniezno war 25 Jahre lang die erste Hauptstadt Polens, bevor diese 1025 nach Kraków verlagert wurde.

Von der einstigen Größe des mittelalterlichen Königreichs zeugen auch heute noch die alten Königsburgen, die „Adlerhorste” der Piastendynastie im Krakau-Tschenstochauer Jura. Sie wurden vom letzten Piastenherrscher, dem legendären König Kazimierz I. Wielki (der Große) errichtet. Eindrucksvoll und mächtig sind auch die Backsteinfestungen des Deutschen Ordens in Polens Nordosten. Ursprünglich im Jahre 1226 von Herzog Konrad I. von Masowien zur Christianisierung der heidnischen Pruzzen eingeladen, installierten die ehemaligen Kreuzritter schnell einen Ordensstaat, der bald das gesamte Gebiet zwischen Weichselmündung und Estland umfassen sollte. Ihrem Expansionsdrang setzte die Bitwa pod Grunwaldem (Schlacht bei Tannenberg) im Jahre 1410 ein Ende. Das vereinte polnisch-litauische Heer unter Führung von König Władysław Jagiełło bereitete dem Orden eine verheerende Niederlage, von der er sich nie wieder erholen sollte.

Vom goldenen Zeitalter zur Teilung

Das 16. Jahrhundert wird in Polen auch heute noch als „goldenes Zeitalter” bezeichnet. Damals erreichte die Doppelmonarchie Polen-Litauen ihre größte Ausdehnung. Im Stil der Renaissance entstanden damals so bedeutende Kulturdenkmäler wie etwa der Arkadenhof des Königsschlosses auf dem Krakauer Wawel-Hügel oder die heute als UNESCO-Welterbe geschützte Planstadt Zamość im Lubliner Land. Die Hauptstadt wurde im Jahre 1596 von Kraków nach Warszawa (Warschau) und damit ins Zentrum des riesigen Reichs verlegt.

Doch schon im 17. Jahrhundert sah sich der Staat von drei immer stärker werdenden Nachbarn bedrängt: Preußen, Österreich-Ungarn und Russland. Diese drei absolutistischen Monarchien teilten schließlich die innenpolitisch zerstrittene und handlungsunfähige Adelsrepublik im 18. Jahrhundert vollkommen unter sich auf. Daran konnte auch Europas erste moderne Verfassung nichts mehr ändern, die am 3. Mai 1791 vom polnischen Parlament, dem Sejm, verabschiedet wurde. Nach der dritten Teilung 1795 war Polen von der politischen Landkarte Europas verschwunden, es folgten über 120 Jahre Fremdherrschaft.

So fand die Industrialisierung im 19. Jahrhundert in einem dreigeteilten Polen statt. Sinnbildlich stehen dafür bis heute die alten Fabriken und Werksiedlungen der Textilmetropole Łódź (Lodsch), die im russischen Teilungsgebiet lag. Oder das Oberschlesische Industrierevier zwischen Gliwice (Gleiwitz) und Katowice (Kattowitz), das sich damals im preußischen Teilungsgebiet befand. In die Teilungszeit fällt auch die Entstehung der größten jüdischen Gemeinde Europas, vor allem in den russischen und österreichischen Gebieten. Hier bildete sich im 19. Jahrhundert das Schtetl heraus, die typisch jüdisch-ländliche Kleinstadt.

Das wechselhafte 20. Jahrhundert

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918 erlangte Polen seine staatliche Souveränität zurück. Das Zwischenspiel der Freiheit währte nur rund 20 Jahre. Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und damit das bisher dunkelste Kapitel in der polnischen Geschichte. Das besetzte Polen wurde zum Schauplatz des Völkermords an den europäischen Juden. Noch heute erinnern die Gedenkstätten an den Orten der ehemaligen Vernichtungslager an das Unfassbare. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das polnische Staatsterritorium nach Westen verschoben und das Land geriet in den Einflussbereich der stalinistischen Sowjetunion.

Mangelwirtschaft und wachsende Staatsverschuldung führten in der Volksrepublik Polen seit 1970 zu immer wiederkehrenden Streiks. Im August 1980 wurde schließlich die "Solidarność" (Solidarität) gegründet, die erste freie und unabhängige Gewerkschaft Volkspolens. Im Dezember 1981 verhängte die Regierung den Kriegszustand, infolge dessen Angehörige der Opposition massenweise interniert wurden und das Militär die Macht übernahm. Er wurde erst 1983 wieder aufgehoben.

Begünstigt durch die sowjetische Politik von Glasnost und Perestroika kam es danach zu einer Annäherung zwischen Regierung und der immer stärker werdenden demokratischen Opposition. Unterstützung fand die Widerstandsbewegung bei dem aus Polen stammenden Papst Johannes Paul II., der seit 1978 an der Spitze der katholischen Kirche stand. Bereits im Juni 1989 fanden die ersten freien und demokratischen Wahlen statt. Sie leiteten den Beginn der Wende im Ostblock ein und Polen trat dem Kreis demokratischer Staaten bei. Lech Wałęsa, ehemaliger Streikführer und Friedensnobelpreisträger, wurde 1990 der erste frei gewählte Präsident im Nachkriegspolen. Seit 2004 ist das moderne und aufstrebende Land Mitglied der Europäischen Union und trat Ende 2007 dem Schengen-Abkommen bei. 2011 hatte Polen erstmals für sechs Monate die Europäische Ratspräsidentschaft inne.

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