Die polnische Landschaft
Die Landschaft Polens kann generell in drei parallel liegende Abschnitte geteilt werden.
I. Im Norden erstrecken sich der Küstenstreifen und die Seenplatten (mit den beiden größten Seengebieten, der Pommerschen und Masurischen Seenplatte). Die polnische Ostseeküste kennzeichnen herrlich breite Sandstrände, imposante Wanderdünen, Strandseen, Landzungen, Flüsse, Inseln und weite Wälder. Das Ufer ist meist flach, es gibt aber auch Abschnitte mit hohen Kliffen. Die naturkundlich wertvollsten Abschnitte stehen in den beiden Nationalparks Woliński und Słowiński unter Schutz.
Die malerischen Seenplatten sind geprägt von einer nacheiszeitlichen Landschaft mit sanften Hügeln (der höchste misst über 300 m ü.d.M.), sehr vielen Seen (die imposantesten im Land der Großen Masurischen Seen), Flüssen, Kanälen und ausgedehnten Wäldern.
II. Den Mittelteil Polens nimmt Tiefland ein. Die flächenmäßig größten Gebiete entfallen auf das Tiefland von Śląsk/Schlesien, Wielkopolska/Großpolen und Mazowsze/Masowien. Dieses Gebiet macht den Großteil Polens aus. Das Landschaftsbild bestimmen Ackerland und Wiesen, weite Flusstäler und Senken. Anzutreffen sind aber ebenfalls Hochebenen, Moränenwälle, Seen, Sumpflandschaft und geschlossene Waldgebiete, die landläufig als Urwälder (puszcza) bezeichnet werden. Die kostbarsten befinden sich in den Nationalparks Puszcza Białowieska und Puszcza Kampinoska.
III. Südpolen hingegen hat ein vollkommen anderes Landschaftsbild vorzuweisen. Hier befindet man sich im Reich der Hochebenen (Schlesische H., Krakau-Częstochowa-H., Kielce-Sandomierz-H. mit dem Świętokrzyskie-Gebirge und die Lubliner H. mit der Region Roztocze), der Mittel- und Hochgebirge (Sudeten, Karpaten) sowie mehrerer Senken wie der von Oświęcim und Sandomierz.
Jede dieser Hochebenen verfügt über eine eigene, unverwechselbare Landschaft. Die Schlesische Hochebene ist die größte Kulturlandschaft Polens. Ihre Merkmale sind Großstädte, Ballungsgebiete sowie die Bergbau- und Schwerindustrie. Die Krakau-Częstochowa-Hochebene besteht aus Kalkstein. Ihren Reiz verdankt sie u.a. den Härtlingen mit fantastischer Gestalt, den malerischen Tälern und Karst-Schluchten, geheimnisvollen Höhlen und Felstoren. Die Kielce-Sandomierz-Hochebene bringt man vor allem mit dem Świętokrzyskie-Gebirge in Verbindung, einem der ältesten Gebirge Polens (etwa 600 m ü.d.M.), das durch seine charakteristischen Geröllhalden bekannt ist. Die Hochebene von Sandomierz wird von zahlreichen Lößschluchten durchzogen, und die leicht hügelige Lubliner Hochebene durchschneiden Lößschluchten und Flusstäler. Diese Landschaft kann als Ackerbaugebiet bezeichnet werden.
Bei den Sudeten handelt es sich um ein altes Mittelgebirge, das durch Kessel in mehrere Abschnitte geteilt ist. Zu den größten gehören der Hirschberger Kessel/ Kotlina Jeleniogórska und der Glatzer Kessel/Kotlina Kłodzka. Der höchste Gebirgszug der Sudeten ist das Riesengebirge/Karkonosze. Seinen langen, flachen Kamm beherrscht die Schneekoppe/Śnieżka (1602 m ü.d.M.). Kennzeichnend für das Riesengebirge sind die unzähligen bizarren Felsformationen, nacheiszeitlichen Täler mit Gebirgsseen und Wasserfällen.
Bei den Karpaten handelt es sich um ein verhältnismäßig junges Gebirge, das bei der alpinen Faltung entstanden ist. Die Landschaft ist äußerst mannigfaltig gestaltet. Vorherrschend sind die als Beskiden bekannten sanften Flysch-Höhenzüge, die sich kennzeichnen durch gewellte Erhebungen unterschiedlicher Höhe (Gipfel von 900 bis 1700 m ü.d.M.), dichte Wälder und zahlreiche Flusstäler. Vollkommen anders präsentiert sich dagegen das Pieniny-Gebirge, ein kleiner zerklüfteter Kalkstein-Gebirgszug mit dem wunderschönen Dunajec-Flussdurchbruch. Den höchsten Abschnitt der Karpaten bildet die Hohe Tatra, das einzige alpine Gebirge in Polen (höchster Gipfel Rysy - 2499 m ü.d.M.). Wie es sich für ein Hochgebirge gehört, wartet es auf mit spitzen Zacken, Almen, nacheiszeitlichen Tälern und Kesseln, die oft von Seen in Beschlag genommen sind sowie Schluchten, Wasserfällen und Höhlen. Die Hohe Tatra zeichnet sich ferner durch eine vielfältige Flora und Fauna aus. Vom naturkundlichen Wert der Karpaten zeugen die vielen Nationalparks.




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