Łódź (Lodsch) entwickelte sich im 19. Jahrhundert innerhalb weniger Jahre vom Dorf zur größten Textilmetropole Mitteleuropas und ist heute mit seinen Fabriken, Palästen und Arbeitersiedlungen ein einzigartiges Zeugnis für die Zeit der industriellen Revolution.
Die Anfänge der mehr als 700.000 Einwohner zählenden Stadt liegen im 14. Jh., als das damalige Dorf Lodza erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die eigentliche Entwicklung vom 770 Einwohner zählenden Marktflecken zur größten Textilmetropole in Mitteleuropa vollzog sich binnen weniger Jahre zu Beginn des 19. Jh. Die Regierung des zaristischen Königreichs Polens erklärte den kleinen Ort 1820 zum planmäßig auszubauenden Industriestandort.
Es waren vor allem christliche und jüdische Deutsche, die in der Folgezeit riesige Textilfabriken und Werkssiedlungen erbauen ließen. Die Industrialisierung der Stadt ging mit einer ebenso starken Verarmung der Arbeiterschaft einher. Der polnische Nobelpreisträger Władysław Reymont setzte dieser Zeit mit seinem Roman „Gelobtes Land“ (Ziemia Obiecana) ein mitreißendes Denkmal. Mit seiner Verfilmung von 1974 gelang dem späteren Oscar-Preisträger Andrzej Wajda ein Erfolg auch im westlichen Ausland.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt von den deutschen Besatzern in Litzmannstadt umbenannt, es wurde eines der größten Gettos für Juden eingerichtet. Von den Juden der Stadt, die einst ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten, fand die Rote Armee nach der Befreiung gerade noch 900 am Leben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Łódź als Filmhauptstadt Polens einen Namen. Aus der hier 1948 gegründeten Filmhochschule gingen zahlreiche Regisseure und Kameraleute von Weltrang hervor, wie Roman Polański, Andrzej Wajda oder Krzysztof Kieślowski. Heute ist Łódź eine faszinierende Stadt, die den Wandel von der Industrie- zur Kunst- und Kulturmetropole vollzogen hat. In die weitläufigen Fabrikkomplexe sind Handelszentren, Galerien und Museen eingezogen.
Hauptmagistrale ist die mehr als 4 km lange ul. Piotrkowska. Sie beginnt am pl. Wolności, der 1823 als Marktplatz für die Webersiedlung der Neustadt ausgewiesen wurde. Das älteste Gebäude am Platz ist das 1827 im klassizistischen Stil erbaute ehemalige neustädtische Rathaus. Heute befindet sich hier das Staatsarchiv. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhebt sich die ehemalige evangelische Trinitatiskirche. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges dient der Prachtbau, über dessen zentralen Teil sich eine lichte Kuppel erhebt, als katholische Garnisonskirche.
Die Piotrkowska-Straße ist die Flaniermeile von Łódź. Über 100 Läden, Restaurants, Cafés und Clubs laden zum Schlendern und Genießen ein. Rechts und Links säumen Stadtvillen und Bürgerhäuser der reichen Fabrikanten aus dem 19. Jh. die Straße. Zu den schönsten Bauten zählen der Palast des Fabrikanten Julius Heinzel (Nr. 104) und das Gutenberg-Haus des Druckers Jan Petersilg (Nr. 86). Legendär ist das Grand-Hotel (Nr. 72), das seit mehr als 100 Jahren Gäste beherbergt und gegenwärtig zum 5-Sterne-Luxushotel ausgebaut wird. Ähnliche Berühmtheit erlangte das nahe gelegene Restaurant Esplanade mit seiner üppigen Jugendstil-Dekoration auf zwei Etagen.
Zwischen ul. Moniuszki und al. Rubinsteina befindet sich der polnische „Walk of Fame“. Die Größen der polnischen Filmindustrie haben hier alle ihren persönlichen Stern im Straßenpflaster bekommen. Am südlichen Ende der Piotrkowska-Straße erhebt sich der Dom von Łódź. Die St. Stanisław-Kostka-Kirche wurde 1901-1927 im Stil der Neogotik erbaut. Besonders eindrucksvoll ist der 101 m hohen Kirchturm.
Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen die Zeugnisse der industriellen Revolution, gigantische Komplexe aus Fabriken, Wohnsiedlungen und Fabrikantenpalästen. Am Ende der ul. Piotrkowska befindet sich die ehemalige Fabrik von Ludwig Geyer. Die „Weiße Fabrik“ wurde 1839 fertig gestellt und nahm als erster Industriekomplex in Polen die maschinelle Fertigung von Waren auf. Das weiß strahlende Gebäude beherbergt heute das Textilmuseum von Łódź (Muzeum Włókiennictwa, ul. Piotrkowska 282/284).
An der ul. Ogrodowa, erstreckt sich das ehemalige Fabrikgelände des jüdischen Industriellen Izrael Poznański. Er ließ sich neben der Fabrik 1872-1902 einen neobarocken Palast erbauen, den größten, der jemals für einen Industriellen in Polen errichtet wurde. Die Einrichtung spiegelt den unglaublichen Reichtum und die Extravaganz seines Erbauers wider. Die großzügigen Räume vereinen fast alle denkbaren Baustile, dominant sind aber Jugendstil und Neobarock, augenfällig ist auch das orientalische Stilelement. Heute zeigt dort das Museum der Stadtgeschichte Dokumente zur Geschichte der Stadt und der mit ihr verbundener bedeutenden Persönlichkeiten. Die Schriftsteller Jan Tuwim und Władysław Reymont wurden ebenso verewigt wie der Übersetzer Karl Dedecius. Über 2.000 Exponate umfasst die Ausstellung, die dem wohl bedeutendsten Einwohner der Stadt, dem Klaviervirtuosen Artur Rubinstein, gewidmet ist (Muzeum Historii Miasta Łodzi, ul. Ogrodowa 15).
Die Poznański-Fabrik wurde in das moderne Kultur-, Handels- und Freizeitzentrum „manufaktura“ verwandelt. Auf über 200.000 qm Fläche haben die Besucher die Möglichkeit die exquisiten Boutiquen und Outlet-Stores internationaler und polnischer Anbieter zu besuchen sowie ihren Kunst- und Kulturleidenschaften in einem der zum Komplex gehörenden Museen oder den Galerien und Theaterbühnen zu frönen. In eine der Backsteinfabriken zog das Designerhotel andel’s mit dem größten Konferenzzentrum der Stadt. Ein weiteres Fabrikgebäude nutzt die neue Dependance des Kunstmuseums, das ms2. Dort ist eine der besten Sammlungen von Kunstwerken aus dem 20. Jahrhundert in Polen zu finden. Bedeutende Werke der Klassischen Moderne, Arbeiten von Picasso und eine umfangreiche Sammlung von Joseph Beuys sind dort zu finden. Die Originaleinrichtung der Tuchfabriken kann man heute im Fabrikmuseum bewundern. Riesige Spinnmaschen und Webstühle vermitteln ein authentisches Bild von der Arbeitswelt des 19. Jh.
Ein eindrucksvolles Denkmal der Industrie- und Wohnarchitektur befindet sich im Süden der Neustadt im Viertel Księży Młyn (Priestermühle). Karl Scheibler ließ in der zweiten Hälte des 19. Jh. die damals größte Baumwollmanufaktur Europas errichten, in der vor wenigen Jahren moderne Lofts entstanden. Direkt daneben entstand die bis heute erhaltene Werksiedlung mit Feuerwehrgebäude, Krankenhaus, Arbeiterwohnungen, Schule und Geschäften. Das Ensemble komplettierte ein Fabrikantenpalast, der nach Scheiblers Schwiegersohn als Herbst-Palast bekannt ist. Der weiße, am Teich gelegene Palast wird heute museal genutzt und vermittelt ein Bild des Industriellenlebens im 19. Jh.
1921 wurde das Gelände durch den Zusammenschluss der zuvor konkurrierenden Unternehmen der Familien Scheibler und Grohmann vergrößert. Besonders sehenswert ist der monumentale Eingang zur Grohmann’schen Fabrik in der ul. Targowa 64, der im Volksmund Grohmanns Fässer genannt wird.
Im ehemaligen Fabrikantenpalais von Karl Scheibler befindet sich heute das Kinematografische Museum. Die Originaleinrichtung der 1886 im Stil der Neorenaissance erbauten Residenz blieb bis heute erhalten. Eine ständige Ausstellung informiert über Geschichte und Gegenwart der polnischen Filmkunst. Wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themen illustrieren zudem einzelne Aspekte der Kunst der bewegten Bilder (Muzeum Kinematografii, pl. Zwycięstwa 1).
Der älteste Friedhof befindet sich an der ul. Ogrodowa. Auf dem 1855 eröffneten Gelände ruhen katholische, protestantische und orthodoxe Christen friedlich nebeneinander. Sehenswert sind vor allem die verschiedenen Industriellengrabmale. Das imposanteste ist das der Familie Scheibler in Gestalt einer 1888 errichteten, neogotischen Grabkapelle. Der jüdische Friedhof in der ul. Bracka ist die am besten erhaltene und größte Nekropole für Angehörige des mosaischen Glaubens in ganz Polen. Rund 230.000 Menschen fanden hier seit 1892 ihre letzte Ruhestätte, die Eltern von Artur Rubinstein und Julian Tuwim ebenso wie die jüdischen Großindustriellen der Stadt. Das einem klassischen Tempel mit orientalischen und indischen Elementen nachempfundene Mausoleum Izrael Poznańskis ist ein besonders schönes Beispiel für die Architektur der Sezessionszeit.

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