Judaica
Die polnischen Juden schufen über Jahrhunderte eine reiche Kultur. Deren Einmaligkeit und Glanz bezeugen die wenigen erhaltenen Denkmäler. Diese zu besichtigen, erfordert manchmal die Ausdauer eines Detektivs.
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Polen 3,5 Mio. Juden, heute sind es etwa 3,5 Tausend. Seltene Spuren geben die Vorstellung von einer Welt, die nicht mehr da ist. Synagogen, Mikven und Bethäuser wurden – falls sie Glück hatten – zu Bibliotheken, Kinos oder Lagerhallen umgebaut. Die meisten sind jedoch einfach verschwunden. So die Synagoge von Tarnów: die einzigen Spuren sind die Ziegelrednerbühne und geschmiedetes Gitter mit dem Davidstern.
Nur wenige Gebäude sind erhalten geblieben: In Warschau, wo vor dem Krieg über 300 Synagogen waren, kann man heute nur noch die Nożyk-Synagoge besuchen. Eine Ausnahme ist hier Tykocin (als Beispiel eines Schtetls/ Städtleins) und Kazimierz/Kasimir- ein Stadteil von Kraków/Krakau - mit sieben erhaltenen Gotteshäusern, wo jedes Jahr Tausende an dem Festival der jüdischen Kultur teilnehmen.
Meistens sind die Friedhöfe Zeichen der langen Anwesenheit der Juden. Die meisten sind schwer zu finden, doch manche sind im Ausland bekannt. In Łódź/Lodsch blieb der größte jüdische Friedhof Europas mit dem monumentalen Grabmal von Israel Poznański erhalten, als der am schönsten gelegene gilt der in Bobowa, und das Grab des Zaddiks Elimelech in Leżajsk wird jährlich von Tausenden von Chassiden besucht.
Nach der Schwundzeit des religiösen Lebens sieht man heute dessen Wiederaufleben. Das wichtigste Fest im jüdischen Jahr ist Jom Kipur, und die größten Scharen versammeln sich zum Purimfest, das wegen seines frohen Charakters als „der jüdische Karneval“ bezeichnet wird.
Gerichte der jüdischen Küche werden von etwa einem Dutzend Restaurants in Polen serviert, von denen Alef und Klezmer-Hois in der Szeroka-Str. in Kraków/Krakau, Menora am Grzybowski-Platz in Warschau und Tejsza in Tykocin die meistbekannten sind. Es lohnt sich zu prüfen, wie Gänsemagen, Czulent (eine Art vom Gulasch) oder Suppe mit Matze-Kugeln schmecken.

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