Vor einigen Jahren war der sozialistische Realismus noch verschrien, heute erlebt er eine Renaissance – manchmal manchmal zur Belustigung der Besucher.
Expedition im Marschrhythmus
Kein Philosoph käme auf die Idee, ein Denkmal im Hinterhof aufzustellen. Im Garten von Michał Sabadach aus Uniejowic, Gründer eines privaten Museums zur russischen und polnischen Volksarmee, stehen ein drei Meter großer Konstantyn Rokossowski und gleich mehrere Standbilder von Wladimir Ilitsch Lenin.
Auch im Museum in Kozłówka hat alles Unterkunft gefunden, was andernorts nicht mehr gern gesehen wurde. In der Remise eines Schlosses fand die einzige polnische Galerie bildender Kunst des sozialistischen Realismus mit 1.600 Skulpturen, zahlreichen Zeichnungen und Plakaten der 50er Jahre ihren Platz. Was als Warnung vor totalitären Systemen aufgefasst werden kann, löst bei Besuchern heute eher Verwunderung oder ein Schmunzeln aus.
Im Club PRL (Polska Rzeczpospolita Ludowa - Volksrepublik Polen) in der Altstadt von Wrocław (Breslau) tragen die Kellner rote Krawatten und die Mitarbeiter mit Barett und Uniform animieren Gäste zum Ziegelwerfen. Auf der Tanzfläche tanzt man zu alten polnischen Schlagern und zahlreiche Monitore zeigen Ausschnitte sozialistischer Propaganda.
Auch die Bar U Wołodzi in Hajnówka ist Kult geworden. In einer Barracke gelegen, ist sie mit ihrer bizarren Inneneinrichtung, die ein Museum des Kommunismus sein könnte, europaweit einzigartig.
In Poznań (Posen) haben die Inhaber des Cafés Proletaryat Kunst und Gastronomie miteinander verbunden. Es beherbergt ein Museum, in dem technische Erfindungen den sozialistischen Fortschritt dokumentieren und man kommunistische Rhethorik lernen oder die Internationale mitsingen kann.
Wer sich ernsthafter der Atmosphäre der damaligen Zeit zuwenden möchte, sollte die 800 Meter lange Mauer des Häuserblockes "Falowiec" im Stadtteil Przymorze in Gdańsk (Danzig) entlang spazieren - er ist der längste Wohnblock in Europa. Einen Blick in die Vergangenheit bietet auch die Ausstellung "Drogi do wolności" (Wege zur Freiheit) in der Danziger Werft. Sie erlaubt einen Einblick in die Lebenswirklichkeit der 1970er Jahre.
Ein wenig wie eine Reise in die Vergangenheit wirkt auch ein Spaziergang im Krakauer Viertel Nowa Huta. Der Stadtteil wurde in den 1950er Jahren für Arbeiter der benachbarten Aluminiumhütte angelegt. Pfiffige Reiseveranstalter bieten inzwischen Retro-Touren mit Besuchen in einer original eingerichteten Arbeiterwohnung und einer Arbeiterkneipe an. Die Touristen sind dabei in alten Trabant-Fahrzeugen unterwegs.


Polnisches
Fremdenverkehrsamt
Kurfürstendamm 71,
10709 Berlin,
Tel. 030/21 00 92-0,
Fax. 030/21 00 92-14
info.de@polen.travel
