Vor mehr als 200 Jahren begründete Fürstin Izabela Czartoryski ihre Kunstsammlung im Sibyllen-Tempel, des Schlossparks von Puławy an der Weichsel. Sie schuf damit 1801 das erste Museum in Polen. Vier Jahre später schuf Stanisław Kostka Potocki im Schloss von Wilanów bei Warschau ein öffentlich zugängliches Museum. Seit dieser Zeit ist die Museumslandschaft in Polen stark expandiert. Hunderte Kunsttempel und Sammlungen existieren im ganzen Land.
An Izabella Czartoryska erinnert noch immer eine der bedeutenden Kunstsammlungen in Kraków. Das Czartoryski-Museum ist Teil des dortigen Nationalmuseums und beherbergt neben den alten Sammlungen der fürstlichen Familie auch eine Reihe sehr bedeutender Gemälde, darunter auch eines der wertvollsten Gemälde, das heute in Polen zu besichtigen ist – die Dame mit dem Hermelin. Leonardo da Vinci schuf dieses Kunstwerk gegen Ende des 15. Jahrhunderts.
Bedeutende Kunstsammlungen
Neben dem Krakauer Czartoryski-Museum gibt es eine Reihe weiterer bedeutender Sammlungen polnischer und europäischer Kunst. Allein das Nationalmuseum in der Hauptstadt Warszawa (Warschau) verfügt über fast 800.000 Exponate aus unterschiedlichen Gebieten. Zur ständigen Ausstellungen gehören Arbeiten des italienischen Malers Canaletto, dessen Stadtansichten von Warschau Grundlagen für den Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten. Auch Arbeiten von Lucas Cranach, Albrecht Dürer oder des flämischen Malers Jacob Jordaens sind dort zu finden. Das Museum vermittelt darüber hinaus einen sehr guten Überblick über die Geschichte der polnischen Malerei vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
Das Nationalmuseum von Poznań (Posen) verfügt ebenfalls über eine bedeutende Sammlung polnischer und europäischer Malerei. Darunter gehört die größte Sammlung spanischer Barockmaler in Polen. Zu sehen sind dort Werke bedeutender spanischer Künstler wie Diego Velazquez, José de Ribera oder Francisco de Zurbarán. Auch niederländische und flämische Maler des 17. Jahrhunderts sind gut vertreten. Aus der Sammlung polnischer Malerei sind insbesondere die zahlreichen Arbeiten von Jacek Malczewski zu erwähnen, einem wichtigen Vertreter der Bewegung Junges Polen (Młoda Polska). Einen großen Raum nimmt auch die polnische Malerei der Zwischenkriegszeit ein.
Das in einem ehemaligen Franziskanerkloster untergebrachte Nationalmuseum von Gdańsk (Danzig) besitzt einen ausgesprochenen Publikumsmagneten. "Das jüngste Gericht", ein Triptychon des flämischen Malers Hans Memling aus dem 15. Jahrhundert, war früher in der Danziger Marienkirche ausgestellt. Dort hängt jetzt nur noch eine Kopie des wertvollen Gemäldes.
Das Nationalmuseum in Wrocław (Breslau) verfügt über eine große Sammlung schlesischer Kunst aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, darunter auch mehrere Arbeiten des bedeutenden schlesischen Barockmalers Michael Willmann. Zu der Sammlung zeitgenössischer polnischer Kunst gehören unter anderem einige großformatige Skulpturen der bekannten Künstlerin Magdalena Abakanowicz.
Das Muzeum Sztuki in Łódź (Lodsch) zählt zu den bedeutenden Sammlungen der Moderne in Europa. Das 1931 gegründete Museum hat neben seinen Stammsitz im Poznański-Palast seit einigen Jahren auch eine Dependance in einer ehemaligen Textilfabrik, das ms2. Zur Sammlung gehören Werke bedeutender polnischer Konstruktivisten wie Katarzyna Kobro und Władysław Strzemiński, aber auch Arbeiten bedeutender Künstler aus anderen europäischen Kulturkreisen wie Hans Arp, Lyonel Feininger oder Pablo Picasso. Joseph Beuys überließ dem Museum im Rahmen seiner Aktion Polentransport 1981 zahlreiche seiner Arbeiten.
Zeitgenössische Sammlungen
Im Jahre 2008 öffnete das Museum für zeitgenössische Kunst in Toruń (Thorn). Es war das erste neugebaute Kunstmuseum, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. In Krakau öffnete 2011 ebenfalls ein neues Museum für zeitgenössische Kunst (MOCAK) in einem Teil der ehemaligen Emaillefabrik von Oskar Schindler. In Warschau soll bis 2014 der spektakuläre Neubau eines Kunstmuseums neben dem Kulturpalast entstehen.
Der zeitgenössischen Kunst widmen sich in Polen auch zahlreiche staatliche oder private Galerien. Zu ihnen gehören die Galeria Zachęta und das Zentrum für zeitgenössische Kunst im Ujazdowski-Schloss oder die Galerie Raster in Warschau, die Galerie Arsenał in Posen oder der Bunkier Sztuki (Kunstbunker) in Krakau.
Spezialmuseen
Faszinierend sind Industriemuseen wie das Textilmuseum in Łódź, das Kupfermuseum in Legnica (Liegnitz) und das Eisenbahnmuseum in Jaworzyna Śląska. Dort sind mehrere Dutzend alte Eisenbahnwaggons und eine imposante Lok-Sammlung zu bewundern. Im Papiermühle-Museum in Duszniki Zdrój (Bad Reinerz) können Besucher ein Blatt Büttenpapier nach derselben Methode wie vor Jahrhunderten herstellen.
Zahlreiche Museen widmen sich der Geschichte Polens. Zu den bekanntesten gehört das neue "Museum des Warschauer Aufstandes von 1944", das mit sehr modernen multimedialen Mitteln das Thema den Besuchern näher bringt. Durch die 1000-jährige Geschichte Breslaus führt das neue Historische Museum der Stadt im ehemaligen Königsschloss von Friedrich II. Zu den Grundmauern der Stadt Krakau führt das neue unterirdische Museum von Krakau, das 2010 unter dem historischen Marktplatz eröffnet wurde.
Biografische Museen machen den Besucher mit dem Leben und Werk bedeutender Persönlichkeiten bekannt: So erinnert ein Museum in seinem Geburtshaus in Thorn an den Astronomen Nikolaus Kopernikus. Dem Dichter und Maler Stanisław Wyspiański widmet sich eine Ausstellung in Krakau, an den naiven Maler Nikifor erinnert eine Ausstellung in Krynica-Zdrój. Zum 200. Geburtstag von Fryderyk Chopin wurde das Warschauer Chopin-Museum mit einer neuen und sehr modernen Ausstellung wiedereröffnet.
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