Das höchste Gebirge Polens – die Tatra – ist der einzige Teil der Karpaten, der einen ausgesprochen alpinen Charakter trägt; sie weist voll ausgebildete Vegetationsstufen auf. Die Tatra unterscheidet sich von den Alpen jedoch hinsichtlich ihrer Ausmaße – sie ist kürzer und schmäler, bei einer Höhe bis ca. 2300 m. Sie erstreckt sich über etwa 53 km Luftlinie; ihr Grat – der sowohl als touristischer Pfad genutzt wird als auch die Grenze zwischen Polen und der Slowakei darstellt – ist durch die Biegung etwa 80 km lang; die Breite der Tatra beträgt etwa 30 km. Der Eindruck des Märchenhaften und die Majestät der Berge wird noch durch den interessanten geologischen Aufbau der Umgebung gesteigert. Sowohl auf der Süd- als auch auf der Nordseite befinden sich riesige tektonische Falten, hinter denen um 1000 Meter niedrigere Berge liegen. Von Podhale aus gesehen bietet die von der Morgensonne angestrahlte Tatra ein beliebtes Motiv für Landschaftsfotografen.
Entlang der Bachläufe am Auslauf der großen Täler der Tatra erstrecken sich Buchen-Tannen-Mischwälder. Bergaufwärts machen sie bald mächtigen Fichten- und Tannenwäldern platz, die in einen Streifen von Ebereschen und Zirbelkiefern übergehen. Noch höher folgen dann Almen mit großen Schafsweiden, die im Winter herrliche Skigelände sind.
Gletscher gibt es in der Tatra nicht: in den Höhen, die das ganze Jahr über ausreichend kalt wären, sind die Hänge für sie zu steil. Die Eiszeit hat hier allerdings an die 200 außerordentlich malerische Bergseen hinterlassen.
Da das gesamte Gebirge in Polen und der Slowakei unter Naturschutz steht, ist das Überwinden des Grates nur zu Fuß oder im Winter auf Skiern möglich. Möglich ist allerdings das Umfahren der Tatra mit dem Rad. Diese Tour ist etwa 230 Kilometer lang und gehört wegen der berauschenden Ausblicke auf die Berge zu den schönsten Radstrecken Europas.


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